Kinder und Hunde
Im Folgenden möchte ich kurz auf die positiven Auswirkungen eines Tieres auf ein Kind eingehen. Zum einen gibt es nachweislich
eine entwicklungsfördernde und erzieherische Wirkung von Haustieren auf Säuglinge, Kinder und Jugendliche.
Nach Angaben des Institutes f. Jugendforschung rangiert das Interesse von Kindern am Heimtier mit 66 % noch vor dem Sport mit 60 % und
Musik und Fernsehen mit 46 %. Die besonders starke Anziehungskraft, die Tiere auf Kinder ausüben, lässt sich möglicherweise
damit erklären, dass Kinder in der Ursprünglichkeit ihrer Bedürfnisse und Antriebe dem Tier eng verwandt sind.
("Wie kleine Kinder zeigen auch Katzen und Hunde, wenn sie körperliche Zuwendung und Trost suchen, keinerlei Hemmungen..." J.Serpell).
Eine andere Erklärung liefert das neotene Verhalten bestimmter Tierarten und ihr teilweise unter künstlicher Selektion
herausgezüchtetes physisches Erscheinungsbild (Kindchen-Schema). Dies kann Kinder dazu animieren z.B. Hunde oder Katzen als
Ihresgleichen in anderem Gewand zu betrachten. (J. Serpell; Das Tier und wir. Eine Beziehungstudie. Zürich 1990) Da Kinder den
Kontakt zu Hunden schätzen und der Hund sich dem Kind im Falle kindlichen Fehlverhaltens entzieht bzw. dem Kind seine Grenzen zeigt,
werden Kinder selbstverstärkend aus der Sache heraus dazu erzogen, sich a) dem Tier gegenüber artgerecht zu verhalten und b)
als Voraussetzung hierfür, sich auf das Tier einzustellen und auf seine Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen.
Die positiven
Eigenschaften nun in epischer Breite zu erklären und begründen, würde wohl zu weit führen. So liste ich die Punkte
nur kurz auf:
- Erziehung zu Verantwortung und Rücksichtnahme
- Erwerb sozialer und kommunikativer Kompetenz
- Steigerung der Lernbereitschaft und Leistungsfähigkeit
- Förderung von Humanität und Liebesfähigkeit
- Erwerb emotionaler Kompetenz
- Entwicklung zur Selbstständigkeit
Die heilungsfördernde Wirkung von Tieren auf emotional gestörte und psychisch kranke Kinder ist ebenfalls bekannt.
Levinson (Kinderpsychotherapeut) war einer der ersten, der Haustiere in der Therapie einsetzte. Seiner Meinung nach läuft der tiergestützte
Therapieprozess in Phasen ab:
Zunächst wird das Kind mit dem Therapeuten und dem Tier bekannt gemacht (1). Das Tier findet gleich starke Beachtung des Kindes (2).
Das Kind beginnt mit dem Tier zu spielen (3). Der Therapeut, welcher anfangs ignoriert wurde, wird nach und nach in die
Interaktion mit einbezogen (4). Die Interaktionen mit dem Therapeuten treten in den Vordergrund (5).
Folgende Argumente werden von praktizierenden Kindertherapeuten für die tiergestützte Therapie gebracht
(auch hier fasse ich mich kurz):
- Das Tier erleichtert den Beginn der Behandlung (Tier als Eisbrecher).
- Im Gegensatz zu Puppen bemerkt das Kind im Kontakt zum Tier unmittelbar, dass seine Gefühle erwidert werden.
- Projektionen und übertragungen von Emotionen und Konflikten auf die Person des Therapeuten gelingen bei Kindern selten.
Ein Tier hingegen eröffnet dem Kind die Möglichkeit zur Identifikation. Indem es Projektionen auf das Tier wirft, kann der
Therapeut Einblick in das Unbewusste des Kindes bekommen.
- Kinder sind überzeugt, dass Tiere ihre Gefühle verstehen und erfahren somit eine emotionale Unterstützung.
- Die Dreierbeziehung (Kind, Tier, Therapeut) kann Konfliktsituationen provozieren, aus denen sich Abwehrmöglichkeiten und
übertragungen ergeben können (therapeutisch wichtig).
- Ein lebendes Tier lässt sich nicht uneingeschränkt manipulieren. Ein Tier kann zu Selbst- und Ichstärkung verhelfen.
- Bei schwer beziehungsgestörten Kindern kann ein Tier den Rückzug ins Ich und somit in die soziale Isolation
überwinden helfen.
Tiere lassen sich im Gegensatz zu Menschen von einem "emotionalen Panzer" wenig beeindrucken.
- Tiere laden zum Körperkontakt und Austausch von Zärtlichkeiten ein. Kinder mit Angst vor emotionaler Nähe zu
Menschen brauchen diese
Zärtlichkeiten.
In der Universitätsklinik Leipzig wurden seit 1995 179 Mädchen und Jungen mit Hilfe von Hunden therapiert.
"Wir haben viel mehr erreicht, als wir zu hoffen wagten" sagt dazu die Leiterin der Klinik, Christie Ettrich. Diesbezüglich
läuft auch eine Studie. Ich denke, wir können bald noch mehr über dieses interessante Thema hören.
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