TAT

Tiere als Therapie

TAT


 

 

Hunde als Therapeuten in der Psychiatrie?

 

Tiere - insbesondere Hunde - in der Therapie psychisch kranker Menschen

Was soll das bringen?
Ist eine Hundeuntertützende Therapie in der Erwachsenenpsychietrie sinnvoll? Heute schon etwas bekannter ist der Einsatz von Hunden in Altenheimen, in der Gerontopsychiatrie und auch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Hier liegen auch verschiedenste Erfahrungen und Studien zu vor. Auf die ich aber hier nicht näher eingehen möchte. Die Frage ist, hört der Bedarf zwischen 18 und 65 Jahren auf, oder gibt es auch eine Begründung, die den Einsatz von Hunden im therapeutischen Bereich rechtfertigen würde? Ich habe mich mit dieser Thematik auseinandergesetzt und es gibt tatsächlich einige Studien in diesem Bereich. In Ländern wie zum Beispiel den USA, Australien und auch Österrreich ist der Einsatz von Tieren in der Therapie schon lange nicht mehr ein so großes Tabuthema wie hier in Deutschland. Zu Beginn möchte ich nun auf einige erfolgreiche Studien eingehen.

Corson (Vgl. Corson et al.: Pet dogs as nonverbal communication links in hospital psychiatry, in: Comprehensive Psychiatry 18, Heft 1 (1977) 61-72) zum Beispiel konnten durch den Co-therapeutischen Einsatz von Hunden in einer psychiatrischen Klinik messbare Erfolge der Therapie nachgeweisen. Von 50 Patienten, die auf konventionelle Therapie nicht ansprachen, zeigten 47 deutliche Besserung des Befindens. Corson sieht die Rolle von Tieren insbesondere als "soziale Katalysatoren".

In der Praxis zeigte sich zudem, dass auch Patienten, die an Formen der katatonischen Schizophrenie leiden und somit normalerweise nicht auf die äußere Welt reagieren, auf einen Besuchshund beispielsweise reagierten. Es besteht eine starke Beziehung zwischen dem Sicherheitsgefühl des Menschen und dem Vertrauen. Vertrauen kann durch Berühren, Streicheln, Riechen und Umarmen gewonnen werden. Zu Entwicklung des Vertrauens ist dies sehr wichtig. Es bezieht sich stark auf das Sicherheitsgefühl des Menschen. Der Mensch hat auch als Erwachsener das Bedürfnis gestreichelt zu werden, und zu streicheln. Oft aber erlauben die gesellschaftlichen Normen dieses Streicheln nicht. Es wird als sexuelle Äußerung gedeutet. Das ist allerdings nicht immer richtig. Die Bedürfnisse der Hautberührung und des Streichelns könne auch durch das Streicheln von Tieren befriedigt werden. Ein Tier zu streicheln widerspricht nicht den moralischen Vorstellungen, ist also ohne Verletzung von moralischen Regeln durchführbar. Dies wärmt und beruhigt die Menschen. Den Aufbau des Selbstvertrauens und des Vertrauens in ihre Umwelt können die Patienten mit Hilfe von Tieren auf natürliche Weise erlangen. Dabei sammeln Menschen positive Erfahrungen. Diese spielen in der Therapie eine entscheidende Rolle. Es ist somit kein Wunder, dass in der Psychiatrie Tiere als Therapie anerkannt werden. (Sylvia Greiffenhagen, Tiere als Therapie 1993)

In einer Studie untersuchten Sandra Barker und Kathryn Dawson den Nutzen von Hunden in der Therapie von Menschen mit psychischen Erkrankungen. (The Effects of Animal-Assisted Therapy on Anxiety Ratings of Hospilized Psychiatric Patiens; S. Barker, K. Dawson, Psych Services, 1998, vol. 49,m pp. 797-801). Hierzu wurden 230 Patienten untersucht. Die Studie ergab, dass eine Hundeunterstützende Therapie zu einer signifikanten Reduktion von Ängsten (anxiety scores) bei Patienten mit Psychosen, Depressionen und anderen Erkrankungen führt. Im Unterschied dazu führen traditionelle Therapien wie z.B. Kunst und Musiktherapie nur zu einer Verringerung bei Patienten mit Depressionen.

Es gibt verschiedenste Effekte, die Tiere auf Menschen haben können. Hier differenziert Frau Dr. phil. Carola Otterstedt (in "Menschen brauchen Tiere") zwischen biologischen, psychologischen und sozialen Wirkungen differenzieren. In einigen Studien wurden die physischen/physiologischen Wirkungen untersucht. Hier konnten verschiedene Reaktionen, wie z.B. Senkung des Blutdrucks und Muskelentspannung nachgewiesen werden. Mentale und psychologische Wirkungen wären z.B:

  • Kognitive Anregung und Aktivierung (Lernen über Tiere und Tierhaltung, Anregung des Gedächtnisses (Tiernamen), Austausch und Gespräch mit anderen Menschen)
  • Förderung emotionalen Wohlbefindens (Akzeptiertwerden, Geliebtwerden, Zuwendung, Trost, Ermunterung, Zärtlichkeit, Intensität etc.)
  • Förderung von positiven Selbstbild, Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein (Konstante Wertschätzung, Verantwortung übernehmen)
  • Förderung von Kontrolle über sich selbst und die Umwelt (Zutrauen, Sensibilisierung für eigene Ressourcen, Erfordernis von Selbstkontrolle)
  • Förderung von Sicherheit und Selbstsicherheit, Reduktion von Angst (Unbedingte Akzeptanz, unkritische Bewunderung, Aschenputtel-Effekt (egal wie unattraktiv oder ungepflegt) etc.
  • Psychologische Stressreduktion, Beruhigung und Entspannung (Wahrnehmungs- und Interpretationsveränderung von Belastung, Trost und Beruhigung, Ablenkung)
  • Psychologische Wirkung sozialer Integration (Erfüllung von Bedürfnissen nach Zusammensein, nicht alleine sein)
  • Regressions-, Projektions- und Entlastungsmöglichkeiten (Katharsis, stilles Zuhören, enttabuisierter Umgang, Identifikationsmöglichkeiten)
  • Antidepressive Wirkung, antisuizidale Wirkung (emotionale Zuwendung, Trost und Ermutigung, Verbundenheit etc.)
Der dritte Wirkungseffekt sind die sozialen Punkte, wie z.B. Nähe, Vermittlung von positiver sozialer Attribution etc.

Der Human- und Veterinärmediziner Dr. Armin Claus beschreibt in seiner Studie "Tierbesuch und Tierhaltung im Krankenhaus", dass zwei drittel aller Patienten während des Klinikaufenthaltes sich emotional alleine gelassen fühlen und ihre seelische Verfassung als schlecht bezeichnen werden. Förderliche Einflüsse des Tierkontaktes für die Patienten sieht Claus u.a. in folgenden Wirkungsweisen:

  • Zuwendung ohne menschliche Maßstäbe der Attraktivität
  • Körperkontakt
  • Linderung von Angst und Stress
  • Reduktion weiterer negativer Gefühle, wie Einsamkeit, Isolation, Depression
Zusammenfassend kann man somit einen deutlichen Nutzen einer Hundeunterstützenden Therapie sehen. Es ist schade, dass diese Möglichkeit in Deutschland noch so selten genutzt wird.